
Ruine hinter umgestürzten Bäumen. Der Schritzug am Eingang, der das Gebäude als Polizeipräsidium auswies,
ist längst verschwunden, ebenso wie die Bronzeplastik des Heiligen Georg.
Der steht mittlerweile vor dem Neubau an der Trierer Straße. // alle Fotos: Ulrich Simons |
29. Juli 2026
Aus dem "Lost Place"
wird bald ein "Sportpark für alle"
Die Tage des alten Polizeipräsidiums an der Hubert-Wienen-Straße sind schon seit längerer Zeit gezählt. Genauer gesagt: seit sieben Jahren.
Im März 2019 begann für die rund 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Umzug aus der Soers in den Neubau an der Ecke Trierer-/Debyestraße. Am 10. Mai 2019 erfolgte die offizielle Übergabe durch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU).
Seitdem steht der Klotz an der Hubert-Wienen-Straße ungenutzt und Asbest-belastet in der Landschaft, ist mit Brettern vernagelt und wartet auf seinen Abriss. Jetzt könnte es tatsächlich soweit sein. Am Mittwoch fiel so etwas wie der symbolische Startschuss für den Rückbau.
Allerdings wird es wohl noch ein paar Tage dauern, bis tatsächlich die Bagger anrücken, denn man will ja nicht mit Staub und Lärm den Soundtrack für die Weltreiterspiele liefern, die am 11. August nebenan in der Soers beginnen.

Transformationsprozess: Auf den früheren Parkplätzen ist ein verwilderter Park entstanden.
Und wenn die vorbei sind, startet immer noch nicht der Abbruch. Denn erst einmal muss das Gebäude von diversen Schadstoffen befreit werden, mit denen man beim Bau des Hauses zu Anfang der 1980er Jahre ziemlich unbekümmert umgegangen war.
Gelegenheit für einen letzten Streifzug mit der Kamera über den "Lost Place", wie es sich bei Abschieds- und Trauerfeiern geziemt in Schwarzweiß.

Der Gärtner war auch schon länger nicht mehr da und kommt wohl auch nicht mehr.
Das Areal, auf dem derzeit noch das alte Polizeipräsidium steht, ist ein Schlüsselgrundstück für die Entwicklung des künftigen "Sportpark Soers" zu einem "Sportpark für alle".
Nach dem Rückbau des Präsidiums sollen eine moderne Multifunktionssporthalle mit notwendiger Parkrauminfrastruktur sowie das Para- und Jugendstadion als Teil des ALRV-Campus entstehen.
Nach der Reit-WM sollen Ende August die Schadstoffsanierung und der Rückbau beginnen. Die Kosten sind auf 9,5 Millionen Euro veranschlagt.

Kein Durchkommen mehr. Das alte Drehkreuz ist zugerostet und zugewuchert.
Der Rückbau beginnt mit der Vorbereitung des rund 33.000 Quadratmeter großen Baufeldes. Hierzu gehören die Trennung der Ver- und Entsorgungsleitungen, die Einrichtung der Baustelle einschließlich Container- und Lagerflächen sowe die Sicherungs des Geländes. Der alte Zaun, der das Polizeipräsidium umgab, kann praktischerweise erst einmal stehen bleiben.
Danach erfolgen die Entrümpelung der Gebäude sowie der Ausbau und die fachgerechte Entsorgung der technischen Anlagen und Einrichtungsgegenstände.

Hier öffnet keiner mehr: Ein Überbleibsel der alten Sprechanlage.
Im nächsten Schritt wird das Gebäude entkernt. Dabei werden sämtliche Bauteile und Baustoffe sortenrein getrennt und verwertet. Schadstoffhaltige Materialien wie Asbest oder künstliche Mineralfasern wreden unter Begleitung von Fachgutachtern ausgebaut und ordnungsgemäß entsorgt.
Nach Abschluss derSchadstoffsanierung erfolgt der maschinelle Rohbauabbruch. Dieser umfasst den Abriss von sieben Gebäuden: Dem Hauptgebäude mit fünf bis sieben Geschossen, dem Gebäude des Technischen Dienstes (drei Geschosse), der Werkstatt mit Tankstelle inklusive Abscheideranlage und Bodentanks, zwei Garagen und dem Schießstand (alle eingeschossig).
Insgesamt ist für den Rückbau eine Gesamtbauzeit von neun bsi zehn Monaten eingeplant.

Kunstvoll zerbröselte Panzerglasscheibe im Souterrain, später von innen mit einem Gitter gesichert.
Die vorhandene Pfahlgründung des Hauptgebäudes wird nicht ausgebaut; sie verbleibt im Boden. Für den Ausbau des Kellergeschosses ist voraussichtlich eine temporäre Grundwasserhaltung erforderlich, also eine zeitlich begrenzte Absenkung des Grundwasserspiegels.
Anschließend werden die Keller und Fundamentbereiche freigelegt, die Baugrube verfüllt und das Gelände entsprechend der geplanten Folgenutzung hergerichtet. Dabei werden die besonderen Anforderungen des Boden- und Grunswasserschutzes berücksichtigt.
Quelle: Presseamt Stadt Aachen / Björn Gürtler

Abbrucharbeiten in Zeiten der Haushaltssperre:
OB Dr. Michael Ziemons geht mit gutem Beispiel und feinem Gerät voran. // alle Fotos: Ulrich Simons
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