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Ulrich Simons

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Fotojournalist (seit 1976)
Redakteur (1987 bis 2019)
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Pferderannbahn Brander Heide

 

04. August 2026

"Bäume schwarz von Menschen
bis in die höchsten Zweige besetzt"

Das Aachener Stadtarchiv stellt aus seinen Magazinen regelmäßig interessante Stücke als Archivale des Monats vor. Das Stück mit einem kurzen Begleittext wird in einem Schaukasten im Foyer des Stadtarchivs am Reichsweg sowie digital auf der Homepage des Archivs präsentiert.

In diesem Monat ist es ein Situations-Plan der ursprünglichen Rennbahn auf der Brander Heide im Maßstab 1 zu 10.000 mit der neuen Streckenführung von 1835/36 im Vergleich zur gestrichelt dargestellten Streckenführung von 1834.

Westlich der Rennstrecke ist das Gut Neuenhof eingezeichnet, nordöstlich Häuser der Ortschaft Freund, im Süden sind Brander Gebäude zu sehen. Aufgenommen wurde der Plan von Vermessungsconducteur Wildt, umgesetzt vom Lithographen Peil.

 

Pferderennen als wichtiger Teil des Kurbetriebs

Pferderennen nach englischem Vorbild waren im 19. Jahrhundert ein wichtiger Bestandteil der stadtbürgerlichen Kultur und insbesondere des Kurbetriebs. Ein erstes Galopprennen nach englischem Vorbild fand am 15. Juli 1821 „auf der großen Heide am Walddistrikt Brand“ statt.

Das Rennen, ausgerichtet vom neu gegründeten Aachener Rennverein, gilt als eines der frühesten, vielleicht sogar das früheste auf deutschem Gebiet. Das Wettrennen wurde mit „Racepferden und mit hiesigen Acker-Pferden“ veranstaltet. Ein englischer Stallmeister sorgte für die Durchführung des Wettbewerbs.

Das Rennen wurde zu Ehren König Friedrich Wilhelm III. ausgerichtet, der seinen zweitältesten Sohn Wilhelm, den späteren Kaiser Wilhelm I., als Vertreter nach Aachen entsandte. Das auf Deutsch und Französisch verfasste Reglement, das der Ausschuss für die Leitung der Wettrennen 1821 erstmals verabschiedete und für alle späteren Wettbewerbe erneuerte, legte detailliert die Bedingungen für das Rennen fest, etwa für den Start, die Bahn, die Verantwortlichkeiten der Rennbeteiligten, den Einsatz der Pferde und vieles mehr.

 

Großer Andrang und große Begeisterung

Die Stadt-Aachener Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 17. Juli 1821 begeistert über das erste Rennen: „[…] so war das Zuströmen der Menge doch so bedeutend, daß nicht nur, schon gegen 3 Uhr, der ganze Kreis, der eine englische Meile in ihrem Umfange enthaltenden Bahn durch die Tausende von Zuschauern dicht geschlossen war, sondern auch die benachbarten Feldhagen und Bäume schwarz von Menschen bis in die höchsten Zweige besetzt hiengen, welches in Verbindung mit den hundert und mehrern Wagen großentheils fremder Herrschaften und mit einem unzähligen Troß von Reitern […] einen das Gemüth erhebenden Anblick gewährte.“

Nach einer Unterbrechung fanden ab 1834 jährlich Pferderennen auf der Brander Heide statt. Am 17. August 1836 berichtete die Stadt-Aachener Zeitung: „Die diesjährige Saison gehört zu den beliebtesten, die Aachen gehabt hat. Mit jedem Tag steigt die Zahl der Herbeiströmenden, da der Kulminationspunkt der Vergnügungen, welche die Stadt ihren Gästen darzubieten versucht, das Wettrennen, herannaht. Und in der Tat, es sind schon soviel Fremde angekündigt, daß es, trotz der zahlreichen und so großartig angelegten Hotels, an Raum für die Gäste mangeln wird.“

 

Ausfälle, Einstellung der Rennen und Anfänge des ALRV

Ab 1841 fiel das Rennen mehrfach aus, ab 1846 für 23 Jahre, bis das Gelände der Brander Heide dann ab 1869 erneut für regelmäßige Pferderennen genutzt wurde. Im Jahr 1896 stellte der Aachener Rennverein dann die Rennen aus verschiedenen Gründen ein. Die Idee eines „Laurensberger Rennvereins“ wurde geboren, der Verein 1898 gegründet. Aus ihm entstand 1923 der Aachen-Laurensberger Rennverein.

 

Das Aachener Reitturnier als CHIO

Der neue Verein begann mit der Ausrichtung neuer Renn- und Turnierveranstaltungen, die sich rasch weiterentwickelten. Im Jahr 1933 wurde das Aachener Reitturnier erstmals als „Concours Hippique International Officiel“ (CHIO) ausgerichtet, ein Titel der Internationalen Reiterlichen Vereinigung, der Turnieren verliehen wurde, die bestimmte Kriterien erfüllten.

Von 1930 bis 1936 wurden im Rahmen der Reitturniere auch wieder Rennen auf „Brander Heide“ veranstaltet, allerdings nicht auf dem historischen Renngelände, sondern auf dem Gelände des Exerzierplatzes Krummerück.


Quellen:
Stadtarchiv Aachen, PRZ 12-70; PRZ 20-8; Stadt-Aachener Zeitung; Fusenig, Anette: „Wie man ein ‚Weltfest des Pferdesports’ erfindet – Das Aachener Spring-, Reit- und Fahrturnier von 1924 bis 1939“, Diss. Aachen 2004 /7 Foto: Stadtarchiv Aachen

 

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© Ulrich Simons
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