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"Journalismus heißt, etwas zu drucken, von dem jemand will, dass es nicht gedruckt wird. Alles andere ist Public Relations."
George Orwell
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Ulrich Simons
Fotojournalist (seit 1976)
Redakteur (1987 bis 2019)
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Abschnittsweise Nebel: Sprühlanzen in der Wiener Fußgängerzone Tegethoffstraße unmittelbar vor der Kaisergruft der Habsburger. // Foto: Ulrich Simons

 

06. Oktober 2026

Wien macht's vor: Kühler Wassernebel
für heiße Sommertage

Es ist Oktober geworden. Der Sommer läuft auf Reserve, bald werden wieder die Winterreifen aufgezogen. Die Erinnerung an den Backofen-Sommer verblassen allmählich, der nächste scheint noch in weiter Ferne. Vielleicht ist genau deshalb jetzt der richtige Zeitpunkt, sich mit ihm zu beschäftigen. Reden wir über "Klimafolgenanpassung".

 

Feiner Nebel aus Feuerwehrschläuchen

Im Sommer, auf dem Höhepunkt der Hitzewelle, hatte OB Dr. Michael Ziemons einen für Aachen neuartigen Versuch gestartet: Perforierte Feuerwehrschläuche schossen u.a. in Haaren einen feinen Wassernebel auf Passanten, die die Kühlung dankbar annahmen.

Das war natürlich ziemlich rustikal, und ob die Stolperfallen überhaupt in der Altstadt einsetzbar gewesen wären - da hab ich so meine Bedenken.

Eine wesentlich elegantere Lösung entdeckte ich Anfang September in Wien: Chice Edelstahl-Säulen mit kleinen Düsen, durch die das Wasser in die Fußgängerzone gesprüht wurde.

Da wurde man natürlich nicht bis auf die Knochen nassgemacht, aber wer wollte, konnte durch den feinen Nebel laufen und sich eine kleine Erfrischung holen. Und nicht nur das: Im Umkreis sanken die gefühlten Temperaturen spürbar.

 

Mobile Systeme, erstaunlich preiswert

Ich habe in Wien nachgefragt: Bei den dort verwendeten Systemen handelt es sich um mobile Anlagen, die während der Sommermonate an Hydranten im Stadtgebiet betrieben werden.

Sie wurden nach Ideen von Wiener Wasser (das ist die Wiener Stawag) gemeinsam mit der Hersteller-Firma Tromayer Metalltechnik (TMT), entwickelt, gebaut und angekauft.
Ausführliche Informationen finden sich auf der Website des Herstellers bzw. unter https://www.water-oasis.com/.

Die Aktivierung der Vernebelungsanlagen erfolgt an Hitzetagen (ab 30 °C) automatisch über ein separates GSM-Modul (Photovoltaik). Für die Vernebelung wird keine zusätzliche Energie benötigt.

In der preiswertesten Variante ist die Nebellanze-19-1 in der Grundausstattung für weniger als 3500 Euro zu bekommen. Für 560 Euro Aufpreis gibt es den Nebelwerfer auch mit Smart Control und Hygienespülung.

Dabei werden die Säulen nach Herstellerangaben mit Infrarottastern und einem elektronisch gesteuerten Magnetventil ausgestattet, das eine frei wählbare Spüldauer- und Intervall-Einstellung mittels Smartphone erlaubt.

Die Spannungsversorgung der Taster erfolgt entweder per Netzanschluss oder über sechs AA-Batterien, die für 300.000 Betätigungen und somit für eine ganze Saison ausgelegt sind.

 

Meine Idee:

• Der vergleichsweise niedrige Preis macht die Nebellanzen an heißen Sommertagen geradezu ideal zur Positionierung auf Plätzen und in Geschäftsstraßen mit wenig Luftaustausch.

• Geschäftsleute oder Interessengemeinschaften könnten aufgrund der angespannten Finanzlage der Stadt einzeln oder gemeinsam die Anschaffungskosten übernehmen, die Stadt regelt über den Stadtbetrieb die Installation, die Stawag zahlt die Wasserrechnung.

 

Vielleicht sollte man sich bei der Stadt mal zeitneh mit dem Thema beschäftigen. Wenn es so geht wie im vergangenen Sommer mit den Klimaanlagen, sind die Dinger spätestens im April ausverkauft.

 

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© Ulrich Simons
Redakteur (1987-2019) - Fotojournalist - Blogger

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