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Ulrich Simons

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Ulrich Simons - Achim Ferrari

Zeitreise zwischen Buchdeckeln. Schon Achim Ferraris Coverphoto wirft Fragen auf. Erkennen Sie, wo es gemacht wurde? Das stattliche, alte Gebäude gibt es heute noch, die Kirche links daneben, von der auf dem Foto nur die Rückseite zu erkennen ist, ebenfalls. Nur der Parkplatz im Vordergrund ist inzwischen bebaut. (* Auflösung am Ende) // Foto: Ulrich Simons

 

17. Oktober 2021

Spannende Reise
in die Vergangenheit der Stadt

Aachen in den 1980er Jahren: Wo immer in der Stadt etwas los ist, da sind AZ-Fotograf Wolfgang Plitzner, AN-Fotograf Johannes "Hans" Donner und "Klenkes"-Fotograf Achim Ferrari nicht weit.

40 Jahre später hat nach Donner ("Du bist so weit weg" / 2019) nun auch Achim Ferrari sein Archiv geöffnet. "Aachen in den 80er Jahren" heißt sein "Best of ... "-Bildband mit rund 140 ganzseitigen Fotos, der in diesen Tagen erschienen ist.

Als Achim Ferrari Anfang der 1970er Jahre beginnt, die Stadt mit der Kamera zu entdecken, sind Fotos in den Zeitungen meist nur schmückendes Beiwerk ohne Nachrichtenwert. Der junge Fotograf merkt sehr schnell, dass Bilder viel mehr können, und wird in der Folgezeit zum "Geschichtenerzähler mit der Kamera".

Ferrari kann die neue Aufgabe ruhig und mit Bedacht angehen, denn er hat etwas, was seine Tageszeitungs-Kollegen nicht haben: Zeit. Der "Klenkes", für den er fotografiert und dessen Herausgeber er zeitweise auch ist, erscheint nur einmal im Monat.

 

Menschen und Bauwerke

So durchstreift Fotograf Ferrari die Stadt und hält mit der Kamera fest, woran andere vorbeilaufen. Alltagsszenen oft, die wie ein guter Wein im Laufe der Zeit gereift sind und jetzt den Betrachter berühren: Oberbürgermeister Kurt Malangré, der an seinem 50. Geburtstag auf dem Markt tanzt, die "Drei Atömchen" bei der närrischen Ratssitzung 1980, die Kinder mit den Trömmelchen bei der Kirmes 1984 in der Königstraße und die "Prominenz" bei der Siegerehrung im Großen Preis von Aachen in der Soers.

Nicht ganz zufällig bei einem studierten Architekten: Bauwerke. Der halbe Grabenhof an der Ecke Franzstraße, vor dem 1981 noch die Autos parken, da, wo heute der Media Markt steht. Die Lagerhausstraße vor dem Bau des Verwaltungsgebäudes. Der Holzgraben vor dem Bau des Glaskubus. Fotos zwischen "Wo ist das denn?" und "Erinnerst du dich noch?"

Und immer wieder die Menschen jenes Jahrzehnts. Wichtige, solche, die sich dafür halten, und ganz normale. Zwischen den Eckpolen Bürgermeisterin Waltraud Kruse und US-Außenminister Henry Kissinger als Karlspreisträger taucht auf Seite 119 das lieb-vertraute Gesicht von Leo Flach alias "Mandel Leo" auf, unvergessen mit seinem geflochtenen Weidenkorb mit den Mändelchen, immer wie aus dem Ei gepellt in seiner weißen Bäckerkluft, zu der er stets eine schwarze Fliege trug, und über den man alleine schon ein Buch schreiben könnte.

 

Achim Ferrari - Hauptbahnhof

Alles schon mal dagewesen. Der Bahnhofsvorplatz 1980. // Foto: Achim Ferrari

 

Viele solcher Geschichten lassen sich leider nur erahnen, was schade ist, denn in vielen Fällen würde man gerne mehr erfahren als nur Aufnahmejahr und -ort, so auch bei dem herrlichen Foto der Dame mit dem Pelzjäckchen, die 1984 beim Bikertreff vor dem Rathaus die BMW von Globetrotter Bernd Tesch aus Kornelimünster skeptisch beäugt.

Interessant wäre auch gewesen zu erfahren, was 1983 beim Reitturnier die feinen Leute vor der Haupttribüne veranstaltet haben, wo es aussieht als seien mehrere gelbe Säcke (die es damals noch nicht gab) detoniert.

Aus dem gleichen Jahr stammt ein heute angesichts der Selbstverständlichkeit von Smartphones völlig skurril anmutendes Foto einer Menschenschlange im Regen vor einer der wenigen Telefonzellen auf dem Turniergelände.

Und Heiliger & Kleutgens gegenüber vom Theater wirbt im Schaufenster u.a. mit "Schallplatten" und "Musi-Cassetten", zwei Begriffen, die man jüngeren Menschen heute schon erklären muss. Obwohl das alles erst 40 bis 50 Jahre her ist.

 

Begegnung mit weitreichenden Folgen

Achim Ferrari ist ein aufmerksamer Beobachter und hält all diese Szenen mit seiner Nikon fest. Von Kindesbeinen an hat er Erfahrungen mit dem Medium Fotografie gesammelt. Erste fotografische Gehversuche hatte der gebürtige Bonner als Schüler zu Hause in Troisdorf mit Vaters Voigtländer Bessamatic gemacht.

An der TH hat er im Fachbereich Baukonstruktion inzwischen einen Job als Hilfswissenschaftler ("HiWi") im Fotolabor ergattert. Die Tätigkeit als "Entwicklungshelfer" übt er bis zu seinem Examen aus.

In der Mensa an der Turmstraße steht Anfang der 1970er Jahre hinter einem Tapeziertisch ein junger Physikstudent, der dort Kameras verkauft, und ab 1973 als Inhaber von "Audiophil-Foto" am Lindenplatz weit über Aachens Stadtgrenzen hinaus eine gewisse Berühmtheit erlangen wird. Später stößt noch der Niederländer Henry Witpeerd hinzu, der sich schnell als einer der besten Nikon-Kenner und Leica-Spezialisten in Deutschland einen Namen macht.

Klaus Lorenz betreibt damals noch Verkauf und Lager getrennt. In der Mensa wechseln die Kameras den Besitzer, das Lager befindet sich in einem der Studententürme an der Rütscherstraße.

Irgendwann liegt in der Mensa ein Nikon F auf dem Tapeziertisch, Nikons erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera, die heute als Mutter aller professionellen Kleinbild-SLRs (englisch: single lens relfex) gilt. Bei Achim Ferrari ist es Liebe auf den ersten Blick.

Er wundert sich nur, als er wenig später die bestellte Kamera in Händen hält: Der Sucher ist irgendwie anders. Schnell findet er heraus: Er ist gerade Besitzer des Nachfolgemodells geworden, einer in jeder Beziehung nagelneuen Nikon F2 - die Gehäusenummer ist gerade einmal dreistellig.

 

"Die beste Kamera, die es je gegeben hat"

Es wird der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. "Die F2 war die beste Kamera, die es je gegeben hat", ist Achim Ferrari noch heute überzeugt. Und nicht nur er. Ein unverwüstliches Arbeitstier, das bei ihm auch einen Sturz vom Schrank aus zwei Metern Höhe überlebte. Als die Kamera aus der Reparatur zurückkam, standen auf der Rechnung nur zwei Positionen "Spiegel justiert" und "Kamera gereinigt". Das angesetzte Soligor-Teleobjektiv war dagegen nicht mehr zu retten gewesen.

Achim Ferrari und seine F2 sieht man fortan häufiger zusammen. Motive findet er zuhauf in einer Stadt, in der auch 40 Jahre nach Kriegsende noch erstaunlich viele Wunden klaffen. Ilford FP4, HP5 und Kodak Tri-X heißen die Kleinbildfilme jener Zeit, die bei Audiophil zu Stückpreisen um die fünf Mark über die Theke gehen.

 

Achim Ferrari - Nonnen

Gesichter, die Geschichten erzählen: Die Nonnen vom Lindenplatz. // Foto: Achim Ferrari

 

Als der Fotograf mit der Auswahl der Bilder für sein Buch beginnt, schlummern alleine in seinem sein Schwarz-Weiß-Archiv rund 600 Filme mit insgesamt weit über 20.000 Aufnahmen. Inklusive der in den vergangenen Jahren neu hinzugekommenen Digitalaufnahmen umfasst Ferraris Archiv heute nach eigenen Angaben rund 130.000 Bilder.

Entsprechend aufwändig ist die Auswahl: 3000 Fotos überstehen die erste Sichtung, 200 kommen in die engere Wahl, rund 140 schaffen es schließlich ins Buch. Gut ein Jahr lang glüht bei Achim Ferrari der Flachbett-Scanner. In Adobe Photoshop werden anschließend in fummeliger Kleinarbeit Filmkorn, Flecken und Fussel entfernt.

Das ist etwas paradox. Denn mittlerweile gibt es Computerprogramme wie DxO's "Film Pack 5" (Untertitel: "Entdecken Sie die Magie des Analogfilms"), die versuchen, diese Filme am Rechner zu emulieren und makellosen Digitalfotos mithilfe von "Digitalkorn" einen Hauch der Unvollkommenheit und der 80er-Jahre zu geben.

Früher war nicht alles schlecht ...

 

Zur Person

Achim Ferrari, Jahrgang 1950, studierte ab 1971 an der RWTH Aachen Architektur und machte dort am Reiffmuseum seinen Abschluss zum Diplom-Ingenieur. Danach legte er die 2. Staatsprüfung zum Bau-Assessor ab und arbeitete anschließend in mehreren Stadtverwaltungen, zuletzt als Technischer Beigeordneter in Alsdorf. Hier veröffentlichte er den Bildband „24 Stunden Alsdorf. Hinter den Kulissen einer Stadt“.

In den 1980er Jahren war er als Mitherausgeber, Redakteur und Fotograf der Stadtzeitung "Klenkes" in und um Aachen mit seiner Kamera unterwegs. Dabei sind unzählige Fotos entstanden, die die damalige Zeit aus zum Teil ungewöhnlichen Blickwinkeln zeigen.

Seine Bilder finden sich u.a. auf den Internetseiten www.katschhof.de und www.achimferrari.de und wurden zum Teil in der Zeitschrift "SyStemischer" veröffentlicht.

Das Buch mit einem Vorwort von Prof. Bernd Mathieu, ehemaliger Chefredakteur von Aachener Zeitung und Aachener Nachrichten, ist im gut sortierten Buchhandel erhältlich.

148 Seiten, Hardcover, DIN A4 quer
ISBN 978-3-942131-91-9
Preis 24,95 €

 

 

* Bei dem alten Gebäude auf dem Titelphoto handelt es sich um die frühere Mädchenmittelschule II in der Eilfschornsteinstraße 16. Heute residiert dort das Philosophische Institut der RWTH Aachen. Auf der Brachfläche im Vordergrund mit dem Ford 17M steht seit 1977 das Kármán-Auditorium.

 

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© Ulrich Simons
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